… Der Wind geht allezeit über das Land …


Der Wind geht allezeit über das Land,

Der Wind geht allezeit über das Land,
über Seen und Wälder und goldenes Korn,
über Dörfer und Städte, über kargen Sand,
und er weiß nichts von Ehre, von Stolz und von Zorn.

Und es kümmert ihn nicht,
wer die Menschen regiert,
welche Macht, welche Lehre den Erdball umspannt,
wer den Acker bestellt,
wer zum Krieg ausmarschiert.
Der Wind geht allezeit über das Land.

Der Wind geht allezeit über das Land,
verlass’ne Geschütze, zerschlag’ne Armeen,
durch schwarze Ruinen und lodernden Brand
und läßt alle Gebete ungehört verweh’n,
fragt nicht, wessen Blut gleichgültige Erde tränkt,
noch für welchen Kriegsherren, welches Vaterland
der sein armseliges, kurzes Leben verschenkt,
der Wind geht allezeit über das Land.

Der Wind geht allezeit über das Land,
über blühende Felder und weiße Alleen,
von hölzernen Kreuzen auf Hügeln im Sand,
die – ein endloses Heer – stumm in Reih‘ und Glied steh’n.
Und die Staatsmänner kommen und stellen sich hin,
legen Kränze nieder, reichen sich die Hand
und wagen zu sagen: All das hat seinen Sinn!
Und der Wind geht allezeit über das Land.

Und die Staatsmänner kommen und stellen sich hin,
legen Kränze nieder, reichen sich die Hand
und wagen zu sagen: All das hat seinen Sinn!
Und der Wind geht allezeit über das Land.

Reinhard Mey

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