Bally Park Garden


Einleitung

Die Anfänge des Bally-Parks reichen ins Jahr 1868 zurück. Ihre heutige Gestalt bekam die Anlage im Rahmen der Erweiterung von 1888-1890, im Kosthausbereich um 1920.

Die Begrenzung der Parkfläche ist an den Längsseiten vorgegeben durch die Aare im Westen und durch den Bahndamm im Osten. Die Begrenzung an der nördlichen Schmalseite bildet das Kosthaus. Richtung Süden endet die Anlage im Bereich der Tennisplätze und läuft optisch im Gretzenbacher Schachen aus.

Die ausgeprägte Längsorientierung des Parkes rührt von der eingeengten Lage zwischen Aarekanal und Bahndamm her. Diese wird durch den parallel verlaufenden Gewerbekanal und die längsorientierten Teile des Wegesystems noch verstärkt.

Ein prägendes Gestaltungselement bildet in diesem ehemaligen Überschwemmungsgebiet das Wasser.

Der Bally-Park bietet in weiten Bereichen – wenigstens auf den ersten Blick – ein natürliches Erscheinungsbild. Daneben kommen geometrische Formen vor. Zudem finden wir im und um den Park eine grössere Zahl von Gebäuden, welche in ihrem Stil verschiedenen Epochen nachempfunden sind. Im Folgenden wird auf die Thematik näher eingegangen.

Seit 2001 ist der Park Eigentum der Einwohner- und Bürgergemeinden von Schönenwerd, Niedergösgen und Gretzenbach. Diese kommen auch gemeinsam für den Unterhalt auf. Der Park und das Kosthaus stehen unter Denkmalschutz.

Herkunft und Grundideen des Landschaftsgartens

Seine Ursprünge hat der Landschaftsgarten im England des 18. Jahrhundert. Bei diesem Parktypus werden – vereinfacht ausgedrückt – Naturräume in künstliche Gartenlandschaften umgewandelt (angestrebt wird eine harmonische, somit idealisierte Naturlandschaft, es wird also „der Natur nachgeholfen“).

Was die Beziehung zwischen Park und Bauwerken anbelangt, dominiert im englischen Landschaftsgarten die Natur. Die Architektur ist der Natur in vielen Einzelbauten eingeordnet (ganz anders verhält des sich bei den geometrischen Gärten, wie weiter unten noch dargelegt werden wird).

Der englische Garten kann auch als begehbares Landschaftsbild gesehen werden.

Die Elemente des Landschaftsgartens im Bally-Park

Der Bally-Park weist beinahe alle Elemente auf, welche für den traditionellen englischen Landschaftsgarten charakteristisch sind.

Rasenflächen wechseln mit kunstvoll gestalteten Baumgruppen mit unterschiedlichen Laubfarben. Kleine Brücken führen über Bäche, welche sich zu seeartigen Teichen mit natürlich gestalteten Ufern ausweiten. Es gibt gewundene Wege, auf denen das Auge durch Baumgruppen, interessante Durchblicke und Panoramen gelenkt wird (und nicht wie bei den geometrischen Gärten durch points de vue, welche den Blick auf die Achsen fokussieren sollen).

Ein weiteres Merkmal des Landschaftsgartens liegt darin, dass er nicht umzäunt wird. Die umgebende Landschaft wird vielmehr einbezogen (z.B. mit den Durchblicken auf die Kirche von Gretzenbach, die Schlosskirche von Niedergösgen, ursprünglich eine Burgruine, den Aareraum und den Jura).

Was im Bally-Park weitgehend fehlt, sind hügelig modellierte Flächen. Auch dieses Element ist mit der leicht erhöhten Pagode jedoch ansatzweise vorhanden.

Im Bally-Park nicht anzutreffen sind die zu den ursprünglichen englischen Gärten gehörenden neo-palladianischen Architekturen (Andrea Palladio war ein berühmter italienischer Archiktekt), welche der Spätrenaissance entlehnt sind. Diese sind im Bally-Park dem Zeitgeist entsprechend ersetzt durch historisierende Bauten.

Vermitteln von Stimmungsbildern und Empfindungen als Zweck des Landschaftsgartens

Mit all den oben genannten Mitteln sollen uns Stimmungsbilder und Empfindungen vermittelt werden. So stehen z.B. die Birken für Heiterkeit und Freude, die dunklen Nadelbäume (Koniferen) und die Bäume mit den hängenden Ästen für Melancholie und Trauer. Die Kapelle, von welcher heute nur noch die Fundamente bestehen, sollte eine feierliche und andächtige Stimmung vermitteln, die Grotte Besinnlichkeit und Ruhe. Die Spiegelungen in den stehenden Gewässern sollen diese Stimmungen noch vertiefen.
Der Park als Ganzes vermittelt den Eindruck heiterer Ruhe und Gelassenheit.

Mit den Bauten sollten jedoch nicht nur Stimmungen vermittelt werden. Sie sind auch Ausdruck eines romantisch gefärbten Geschichtsbewusstseins und sie sollten auch Bildung vermitteln (z. B. Lebensweise der Pfahlbauer).

Allgemeines zu den geometrisch-formalen Parkanlagen

Die geometrisch-formalen Gartenanlagen wurden im absolutistischen Frankreich zur Blüte gebracht (berühmte Beispiele sind Vaux-le-Vicomte und Versailles).

Ausgangs- und Mittelpunkt ist beim französischen Park immer die Palastarchitektur. Im Schnittpunkt der Achsen steht das Bauwerk. Dieses ist der Kern einer künstlichen Welt. Nichts Natürliches soll ihr nahe kommen. Alles wird der Architektur zu- und untergeordnet. Die Natur wird architektonisiert. Die gebaute Welt wird von der „Naturlandschaft“ getrennt. Um das Gebäude wird eine Zone idealer Ordnung geschaffen mit geometrischen Formen, Terrassen, Freitreppen, Stützmauern, Rasenstücken, geschnittenen Hecken und Sträuchern, Alleen mit Wänden aus geschnittenen Bäumen. Ursprünglich wurden die geometrischen Parks von der umgebenden Landschaft strikt getrennt, später entwickelte Le Nôtre das System der durchlaufenden Achsen.

Geometrisch-formale Teile des Bally-Parks

Den nördlichen Abschluss des Parks bildet das sogenannte Kosthaus, welches vom berühmten Architekten Karl Moser 1919/1920 in neuklassizistischem Stil erbaut wurde.
Zur Verbindung dieses strengen und sehr repräsentativen Baus mit dem Parkbereich hat sich der Rückgriff auf den geometrischen Stil geradezu aufgedrängt. Geometrische Bestandteile sind z.B. der achsial auf das Kosthaus ausgerichtete mittlere Weg (die ebenfalls geraden Nebenwege sind wohl eher funktional bedingt), die halbkreisförmige Rasenfläche vor dem Kosthaus und der radial darum herumgeführte Weg, die zu einem Tor zusammenstellten Bäume beim mittleren Weg, der alleenförmig gestaltete Wegabschnitt, die geschnittenen Sträucher um das Kosthaus.

Einige zusätzliche hintergründige Aspekte zu den Konzepten von Landschaftsgarten und geometrisch-formalem Park

Ganz im Gegensatz zu Kontinentaleuropa, wo sich im 18. Jahrhundert der Absolutismus durchsetzte, gab es in England seit 1688 (Glorious Revolution) nur noch eine konstitutionelle Monarchie. Das Parlament konnte seine Befugnisse unaufhaltsam ausweiten. Es entwickelte sich ein liberales Klima mit Pressefreiheit. Auch konnten aufklärerirische politische und philosophische Schriften uneingeschränkt veröffentlicht werden. Die fundamentalen Gegensätze zwischen England und dem Kontinent fanden auch im Gartenbau ihren Ausdruck. In England wurde damals der geometrisch-barocke (französische) Garten als Sinnbild des Feudalismus abgelehnt (die lineare Ausrichtung, die Beschneidung von Bäumen und Hecken wurden als Vergewaltigung der Natur empfunden und mit politischer Unterdrückung und Willkür in Verbindung gebracht). Die ungestaltete Natur war für die damaligen Engländer Symbol für Freiheit und Unabhängigkeit. Man wünschte sich für die Gartenanlagen ein naturgemässes Erscheinungsbild. Wie schon dargelegt wurde, heisst das nicht, dass die Natur sich selbst überlassen wurde, man hat sich vielmehr ein Idealbild der Natur entworfen und hat diesem Idealbild entsprechende Anlagen geschaffen (z.B. Garten von Blenheim Palace). Ab Ende des 18. Jahrhunderts wurden auch auf dem Kontinent von aufgeklärten Köpfen Landschaftsgärten in Auftrag gegeben.

Letztlich ist es aber zu einseitig, die geometrischen Gärten lediglich als Ausdruck absoluten Herrschertums abzutun. Zwar ist der Aspekt, dass absolutistische Herrscher nicht nur Landesherr, sondern auch der Herr über die Natur ist, klar vorhanden.
Es gibt jedoch noch eine weitere Grundidee, welche bei den geometrischen Gärten mitschwingt, die Idee des Rationalismus. Das 17. und 18. Jahrhundert war eine Zeit grosser naturwissenschaftlicher Erkenntnisse. Der Mensch spürte, dass er kraft seiner Vernunft die Welt ändern konnte und für die Rationalisten des 17. Jahrhunderts waren das Göttliche und das Vernünftige nicht Gegensätze. Die Rationalisten waren vielmehr überzeugt, dass sich das Göttliche gerade in den Gesetzen der Vernunft zeige. Der geometrische Garten war also auch Ausdruck eines rationalen Denkens, das durch Mass und Harmonie geregelt ist. Mit den geometrischen Formen konnte man dem Vernunftaspekt Ausdruck geben.

Das Stichwort „Historismus“ als übergreifende Klammer beim Bally-Park und das Stichwort „Volksgarten“ als Randbemerkung

Zum Historismus

Der Bally-Park wurde in den letzten Jahrzehnten des 19. und zu Anfang des 20. Jahrhunderts so gestaltet, wie wir ihn heute kennen. Die hohe Zeit der englischen Landschaftsparks war also längst vorbei. Auch die Blüte der französischen Landschaftsgärten lag weit zurück.

Dass man bei der Parkgestaltung nicht neue Wege zu gehen versuchte, sondern, dass man – ganz bewusst – Anleihen in der Vergangenheit nahm, entsprach dem damaligen Zeitgeist. Das 19. Jahrhundert war die hohe Zeit des sogenannten Historismus.

Wie kam es gerade in dieser Zeit ungeheuren industriellen Fortschrittes zu dieser rückwärtsgewandten Haltung im Gestalterischen? Neben politischen und geistesgeschichtlichen Aspekten spielte sicher ein zentrale Rolle, dass die Architekten damals vor einer Vielzahl völlig neuer Bauaufgaben standen. Es brauchte Fabriken mit zuvor unbekannten Dimensionen, Bahnhöfe, Justizpaläste, Parlamentsgebäude, Kaufhäuser, ganze Stadtteile wurden aus dem Boden gestampft, Orte in Ballungszentren verzehn- oder ver-x-fachten innert kürzester Zeit ihre Grösse.
Wie sollten die gestellten Bauaufgaben gelöst werden? 1828 hatte der deutsche Architekt Hübsch eine Schrift abgefasst unter dem Titel „In welchem Stile sollen wir bauen?“. Es kam in der Folge zur einer regelrechten „battle of styles“. Es wurde zu allen Baustilen der Vergangenheit gegriffen. Es entwickelten sich aber auch gewisse Schemata, so wurden Bahnhöfe oft in der Form römischer Thermen gebaut, Rathäuser und Kirchen in neugotischer Form, Parlamentsgebäude, Museen, Theater hatten den griechischen Tempel zum Vorbild („Musentempel“). Man scheute sich aber auch nicht, Elemente der unterschiedlichsten Stilrichtungen den Bedürfnissen entsprechend bunt zusammenzuwürfeln (Ekklektizismus).

Übrigens: Auch der geschlossen bebaute und architekturgeschichtlich wertvolle Dorfkern von Schönenwerd ist vom Historismus geprägt.

Der Historismus war – zusammenfassend – das erste Zeitalter der Beliebigkeit (das zweite Zeitalter der Beliebigkeit ist die heutige Postmoderne).

Zur Volksgartenidee

Der Zugang für Jedermann zu Parkanlagen war eine Idee, welche erst im 19. Jahrhundert mit dem Entstehen von Grossstädten zum Durchbruch gelangte. Vorbilder waren die Londoner Bürgerparks, welche ihrerseits ehemalige königliche Gärten waren wie der St. James Park und der Regent’ Park.
Dass in Schönenwerd durch C.F. Bally ein solcher Park geschaffen und von Anfang an der Öffentlichkeit zur Benützung überlassen wurde, mutet umso vorbildlicher an, als in Schönenwerd kein vergleichbarer Druck bestand, eine dertige Anlage zu schaffen, da es in und um Schönenwerd – anders als in den grossen europäischen Ballungszentren – immer Möglichkeiten genug gegeben hat, sich in der freien Natur zu bewegen.

In einer ersten Phase dienten die öffentlichen Parks der Erholung und der Musse.
Gegen Ende des 19. Jahrhunderts wurden vorab in Deutschland die „Verwendungszwecke“ ausgeweitet. Um der armen Bevölkerungsschichten in den Grossstädten die Möglichkeit für sportliche Betätigung und Unterhaltung zu bieten, wurden in vielen Parks Spiel- und Sportplätze geschaffen. Man sprach dabei von Volksgärten.
Auch im Bally-Park sind derartige Elemente realisiert worden, welche jedoch bis auf den Spielplatz und die an den Park angrenzenden Tennisplätze und Schrebergärten verschwunden sind. Interessant ist, dass im Park eine erste Badeanstalt integriert war. Auch wurden die Teiche rege zum Schlittschulaufen benützt und später wurde im Bereich des Speichers die Wiese gespritzt zum Hockey-Spielen.

Zusammenfassung/Würdigung

Der Bally-Park ist in wesentlichen Teilen als englischer Landschaftsgarten mit idealisierten Landschaften gestaltet. Der Kosthausbereich ist demgegenüber im geometrischen-formalen Stil gehalten, teilweise gehen die Elemente beider Stirichtungen ineinander über. Der Park wurde angereichert mit historisierenden und romantischen Elementen, nämlich den Bauten, den Waldhainen, den dominanten Einzelbäumen und den teilweise exotischen Pflanzen. Trotz dieses Neben- und Miteinanders verschiedener Gestaltungsprinizipien wirkt die Anlage geschlossen und harmonisch. Auch im geometrisch gestalteten Kosthausbereich, bleibt der Sinn für das Mass gewahrt. Dieser vermittelt den Eindruck einer selbstverständlichen Grosszügigkeit und stellt keineswegs einen überzogenen Anspruch auf Repräsentation und Monumentalität.

Im Bereich Fotodokumentation finden Sie eine kommentierte Bilderzusammstellung zum Thema Bally-Park.

T. Fässli, Gemeindeschreiber

Bally Park Garden, ursprünglich hochgeladen von eyeflyer

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in the shade of big trees … der mächtigen Bäume Schattenspiel …

… mein Freund, der Baum, er winkt mit zarten Gesten
mir zu, ein stilles Stündchen unter Zweigen
mit ihm zu teilen, auch mit ihm zu schweigen.
Gedanken schweben lautlos zu den Äste …

Im Schatten prüfe ich des Tages Sorgen,
der Rinde Schorfe kitzeln meinen Rücken.
Ein Zeichen wohl, ich sollte in das Morgen
mit Mut und Zuversicht gelassen blicken.

Ich spüre auch des Freundes Widerrede,
bedanke mich und lasse ein Versprechen
beim Geh‘n zurück. Nie solle eine Fehde
die stumme aber echte Freundschaft brechen.

© Ingo Baumgartner

golden slumbers



golden slumbers, ursprünglich hochgeladen von eyeflyer

*

Golden Slumbers

Once there was a way to get back homeward
Once there was a way to get back home
Sleep pretty darling do not cry
And I will sing a lullabye

Golden slumbers fill your eyes
Smiles awake you when you rise
Sleep pretty darling do not cry
And I will sing a lullabye

Once there was a way to get back homeward
Once there was a way to get back home
Sleep pretty darling do not cry
And I will sing a lullabye

The Beatles

*

dazwischen

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zwischen tag und traum

Ich bin zu Hause zwischen Tag und Traum.
Dort wo die Kinder schläfern, heiß vom Hetzen,
dort wo die Alten sich zu Abend setzen,
und Herde glühn und hellen ihren Raum.

Ich bin zu Hause zwischen Tag und Traum.
Dort wo die Abendglocken klar verlangen
und Mädchen, vom Verhallenden befangen,
sich müde stützen auf den Brunnensaum.

Und eine Linde ist mein Lieblingsbaum;
und alle Sommer, welche in ihr schweigen,
rühren sich wieder in den tausend Zweigen
und wachen wieder zwischen Tag und Traum.

Rainer Maria Rilke
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