am Jurameer

jurameer 14

Lied vom Meer

Rainer Maria Rilke

Uraltes Wehn vom Meer,
Meerwind bei Nacht:

du kommst zu keinem her;

wenn einer wacht,
so muss er sehn, wie er
dich übersteht:

uraltes Wehn vom Meer

welches weht
nur wie für Ur-Gestein,
lauter Raum
reißend von weit herein…

O wie fühlt dich ein

treibender Feigenbaum
oben im Mondschein.

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am jurameer

unser Herbstmeer
unser Herbstmeer

Novemberland

auf den Jurahöhen knapp über der nebelgrenze
auf den Jurahöhen knapp über der Nebelgrenze

Nebel hängt wie Rauch ums Haus,
drängt die Welt nach innen;
ohne Not geht niemand aus;
alles fällt in Sinnen.

Leiser wird die Hand, der Mund,
stiller die Gebärde.

Heimlich, wie auf Meeresgrund,
träumen Mensch und Erde.

Christian Morgenstern